Kanadischer Dollar unter Druck: Währungsmärkte reagieren auf Ölpreisverfall und US-Konjunkturdaten
Der Kanadische Dollar hat am Mittwoch seine Talfahrt fortgesetzt und verzeichnete den siebten Verlusttag in Folge gegenüber der US-Währung. Dies markiert die längste Verlustserie des sogenannten „Loonie“ seit März des vergangenen Jahres. Auslöser für diese Entwicklung ist primär die Aussicht auf steigende Ölexporte aus Venezuela, welche die Attraktivität der stark an Rohstoffpreise gekoppelten kanadischen Währung untergraben. Der „Loonie“ rutschte dabei um 0,2 Prozent auf 1,3840 CAD pro US-Dollar ab – oder umgerechnet 72,25 US-Cents – und erreichte damit den tiefsten Stand seit dem 10. Dezember.
Sorge um Konkurrenz aus Venezuela belastet Energiesektor
Marktbeobachter führen die Schwächephase insbesondere auf geopolitische Verschiebungen zurück. Adam Button, Chef-Währungsanalyst bei investingLive, merkte an, dass der Markt Schwierigkeiten habe, große geopolitische Veränderungen einzupreisen, und Kanada durch die Venezuela-Thematik hierbei ins Hintertreffen gerate. Die Sorge der Investoren ist greifbar: Eine Zunahme venezolanischer Ölexporte in die Vereinigten Staaten könnte kanadische Unternehmen, die ähnliches Schweröl vertreiben, empfindlich treffen.
Diese Nervosität spiegelt sich deutlich im Energiesektor der Toronto Stock Exchange wider, der seit Wochenbeginn um 5,7 Prozent nachgegeben hat. Parallel dazu fiel der Ölpreis um 2 Prozent und pendelte sich bei 55,99 Dollar pro Barrel ein, während Investoren ein mögliches US-Importabkommen für venezolanisches Rohöl bewerteten. Button betonte jedoch, dass eine nüchterne Zweiteinschätzung zeigen dürfte, dass kanadisches Öl wettbewerbsfähiger und stabiler sei und mittelfristig nicht bedroht werde.
Diplomatische Vorstöße und trübe Handelsaussichten
Vor dem Hintergrund einer unsicheren US-Handelspolitik bemüht sich Ottawa um Diversifizierung. Das Büro des kanadischen Premierministers Mark Carney kündigte an, dass dieser vom 13. bis 17. Januar China besuchen werde, um die Abhängigkeit vom US-Markt zu verringern. Wirtschaftlich stehen dem Land jedoch Herausforderungen bevor: Für die am Donnerstag anstehenden Handelsdaten erwarten Ökonomen, dass die Handelsbilanz nach einem überraschenden Überschuss im September nun in ein Defizit von 1,4 Milliarden Kanadischen Dollar umschlagen wird. Auch am Anleihemarkt gab es Bewegung, wo die Renditen über eine flachere Kurve sanken und die zehnjährige Anleihe um 4,3 Basispunkte auf 3,389 Prozent nachgab.
US-Dienstleistungssektor stützt den Greenback
Während der nördliche Nachbar mit seiner Währung hadert, konnte der US-Dollar frühe Verluste wettmachen und notierte fester. Der Dollar-Index (DXY00) stieg am Mittwoch um 0,11 Prozent. Haupttreiber für diese Erholung war der ISM-Dienstleistungsindex für Dezember, der unerwartet stark anstieg und mit einem Plus von 1,8 Punkten auf 54,4 den stärksten Expansionskurs seit 14 Monaten signalisierte. Dies übertraf die Erwartungen, die eher von einem Rückgang ausgegangen waren, deutlich. Zusätzlich profitierte der Dollar von seiner Rolle als sicherer Hafen, nachdem die USA einen unter russischer Flagge fahrenden Tanker wegen Sanktionsverletzungen beschlagnahmt hatten.
Gemischte Signale vom US-Arbeitsmarkt und Fed-Spekulationen
Trotz der Stärke im Dienstleistungssektor zeigen andere Indikatoren Risse im US-Konjunkturbild. Der Arbeitsmarkt sendete am Mittwoch Warnsignale: Der ADP-Arbeitsmarktbericht für Dezember wies lediglich einen Zuwachs von 41.000 Stellen im Privatsektor aus – weniger als die prognostizierten 50.000. Auch die JOLTS-Daten zu offenen Stellen sanken im November überraschend deutlich um 303.000 auf ein 14-Monats-Tief von 7,146 Millionen. Diese Datenpunkte werden als „dovish“ für die Geldpolitik der Fed interpretiert.
Gleichzeitig lasten politische Spekulationen auf dem Greenback. Die Märkte beobachten mit Argusaugen, wen Präsident Trump Anfang 2026 als neuen Fed-Vorsitzenden nominieren wird. Berichte, wonach Kevin Hassett, Direktor des Nationalen Wirtschaftsrats, als Favorit gilt, drücken auf den Kurs, da er als besonders geldpolitisch locker („dovish“) eingeschätzt wird. Aktuell preisen die Märkte eine Wahrscheinlichkeit von 12 Prozent für eine Zinssenkung um 25 Basispunkte beim nächsten FOMC-Treffen Ende Januar ein, während langfristig für 2026 Zinssenkungen von insgesamt etwa 50 Basispunkten erwartet werden.
Gegenwind für Euro und Yen
Auch jenseits des Atlantiks und im Pazifikraum gab es Währungsbewegungen. Der Euro (EUR/USD) fiel am Mittwoch leicht um 0,05 Prozent, belastet durch enttäuschende Konjunkturdaten aus der Eurozone. Während die Gesamtinflation im Dezember erwartungsgemäß bei 2,0 Prozent lag, blieb die Kernrate mit 2,3 Prozent hinter den Prognosen zurück. Besonders schwer wogen die unerwartet schwachen Einzelhandelsumsätze in Deutschland, die im November um 0,6 Prozent fielen – der stärkste Rückgang seit 17 Monaten.
Der japanische Yen (USD/JPY) verlor seine anfänglichen Gewinne und gab im Tagesverlauf nach, was den Wechselkurs um 0,07 Prozent steigen ließ. Hintergrund sind eskalierende Spannungen zwischen China und Japan. Peking kündigte Exportkontrollen für Güter mit militärischem Nutzen an, was Japans Lieferketten und Wirtschaft empfindlich treffen könnte. Innenpolitisch bleibt der Yen durch fiskalische Sorgen belastet, da die Regierung unter Premierminister Takaichi plant, die Verteidigungsausgaben im Rahmen eines rekordverdächtigen Budgets von 122,3 Billionen Yen massiv zu erhöhen.
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