Widerstand durch Kunst: US-Museen und Sender behaupten sich in stürmischen Zeiten
Für die großen amerikanischen Kulturinstitutionen waren die vergangenen zehn Monate eine Zäsur. Besonders das Smithsonian in Washington spürt den strengen Blick der neuen Administration im Weißen Haus, die Fördermittel und inhaltliche Ausrichtungen zunehmend kritisch hinterfragt. Doch anstatt sich wegzuducken, setzt die National Portrait Gallery ein deutliches kuratorisches Zeichen. Mit der Eröffnung der Ausstellung „The Outwin 2025“ präsentiert das Haus 34 zeitgenössische Porträts, die in ihrer Zusammensetzung kaum diverser sein könnten und den aktuellen gesellschaftlichen Wandel der USA ungeschminkt spiegeln.
Ein Panorama amerikanischer Identität
Die Schau bleibt der Kernmission der Galerie treu, ignoriert aber demonstrativ den politischen Gegenwind. Zu sehen ist ein Querschnitt der amerikanischen Bevölkerung: Indigene Künstler, Einwanderer, gebürtige Amerikaner sowie Menschen unterschiedlichster sexueller Orientierungen und Hautfarben. Formal bricht die Ausstellung jedoch mit einer Tradition. Während die Werke anonym eingereicht wurden, spielen die begleitenden Statements der Künstler in diesem Jahr eine zentrale Rolle. Sie kontextualisieren Arbeiten, die sich oft sperrig und herausfordernd mit der Natur der eigenen Identität auseinandersetzen, und geben dem Publikum so notwendige Orientierung in komplexen Debatten.
Bob Ross rettet das Programm
Während die Museen um ihre inhaltliche Hoheit ringen, kämpft der öffentliche Rundfunk nach der Streichung von 1,1 Milliarden Dollar an Bundesmitteln durch Präsident Trump um seine wirtschaftliche Existenz. In dieser prekären Lage erweist sich ausgerechnet eine Ikone der Popkultur der 80er Jahre als Retter in der Not. Bob Ross, der mit seiner PBS-Sendung The Joy of Painting Millionen Menschen das Malen lehrte, sorgt posthum für einen unerwarteten Geldsegen. Das Auktionshaus Bonhams Skinner versteigerte Ende Januar drei seiner Werke und erzielte dabei einen Gesamterlös von 1,27 Millionen Dollar zugunsten des öffentlichen Fernsehens.
Rekordpreise für TV-Nostalgie
Den Höhepunkt der Auktion in Marlborough, Massachusetts, markierte das Ölgemälde „Change of Seasons“ aus dem Jahr 1990. Das Bild, das herbstliche Bäume vor einer verschneiten Bergkulisse zeigt und in der 20. Staffel der Kultserie entstand, übertraf alle Erwartungen. Während Experten den Wert auf etwa 60.000 Dollar schätzten, fiel der Hammer erst bei sagenhaften 787.900 Dollar. Auch die Landschaftsbilder „Valley View“ und „Babbling Brook“ erzielten sechsstellige Summen und trugen maßgeblich dazu bei, dass die Auktion „Americana: Crafting a Nation“ ein voller Erfolg wurde. Ross selbst hatte seine Arbeiten zu Lebzeiten bescheiden als „einfach schöne kleine Gemälde“ bezeichnet, doch heute sind sie kapitaler Bestandteil der amerikanischen Kulturgeschichte.
Ein Vermächtnis für die Zukunft
Die Erlöse fließen über die Organisation American Public Television (APT) vollständig an lokale Stationen im ganzen Land, um den Wegfall der staatlichen Gelder zumindest teilweise zu kompensieren. Joan Kowalski, Präsidentin von Bob Ross Inc., sieht darin eine Fortführung der Mission des Künstlers. Es sei berührend zu sehen, wie stark seine Arbeit noch immer resoniere und nun ganz konkret dabei helfe, das Programm zu sichern, das ihn einst berühmt machte. Sammler und Fans können sich bereits den April vormerken, wenn bei einer weiteren Auktion in New York neue Werke des TV-Malers angeboten werden – ein Hoffnungsschimmer für die unter Druck geratene US-Kulturlandschaft.
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